In memoriam Jaques Lisfranc (1790 – 1847)

Der heutige Feiertag „Allerheiligen“ ist für viele Deutsche ein Gedenktag. Man erinnert sich der Verstorbenen.

Neben diesem ganz persönlichen Gedenken möchte ich an diesen Feiertag einen kurzen historischen Artikel über einen Chirurgen und Gynäkologen in meinem Blog veröffentlichen, dessen Name bis heute immer wieder in der  Fußchirurgie fällt – Jaques Lisfranc de St. Martin.

Vor einigen Jahren besuchte ich Paris. Die französische Hauptstadt ist neben unzähligen Sehenswürdigkeiten auch bekannt für seine Friedhöfe, auf denen viele prominente Persönlichkeiten begraben sind.

Die drei größten Ruhestätten heißen Père Lachaise, Montmartre und Monparnasse.

Auf dem letztgenannten fanden Berühmtheiten wie Jean Paul Sartre, Simone de Beauvoir, André Citroën, Samuel Beckett, César Franck, Charles Baudelaire, Camille Saint-Saëns und Man Ray ihre letzte Ruhestätte.

Und eben auch Jaques Lisfranc.

Lisfranc wurde am 02. April 1790 in Saint-Paul-en-Jarez, einer Ortschaft zwischen Saint-Etienne und Lyon geboren. In Lyon begann er auch seine Ausbildung bevor er Assistent von Guillaume Dupuytren in Paris wurde. 1813 machte er mit Erlangen der medizinischen Doktorwürde seinen Abschluss.

Nach einem kurzen Intermezzo als Armee-Arzt, verließ er das Heer Napoleons wieder und kümmerte sich fortan um die Weiterentwicklung von Operationsmethoden.

Durch die damals noch weitgehend fehlende Trennung der operativen Spezialgebiete war es ihm möglich, Pionierarbeit im Bereich der Rektumchirurgie, der Chirurgie der Gebärmutter und des Fußes zu leisten.

1826, zwei Jahre nach seiner Habilitation, bekam er die Leitung einer eigenen Abteilung im L’Hôpital de la Pitié in Paris übertragen, wo er als Chirurg und Lehrer wirkte. In diesen Funktionen erwarb er sich großes Ansehen.

Es ist aber auch überliefert, dass Lisfranc eine sehr streitbare Persönlichkeit gewesen sein musste. Dies erschwerte es ihm nicht nur, enge Freundschaften zu knüpfen sondern war auch seiner Laufbahn nicht immer förderlich.

Ein Disput mit seinem früheren Lehrer Dupuytren verhinderte beispielsweise, dass er eine Professur an der medizinischen Fakultät von Paris bekam.

Fußchirurgischen Ruhm erlangte er durch die Beschreibung einer Verletzung mit Ausrenkung des 2. – 5. Mittelfußknochens. In der Regel kommt es dabei auch zu einer instabilisierenden  Bandverletzung zwischen dem zweiten Mittelfußknochen und der Fußwurzel.

Eine Verletzung die er um 1813 als Chirurg in den Diensten Napoleons häufig sah. Der hierfür typische Verletzungsmechanismus war ein Sturz vom Pferd, bei dem sich der Fuß im Steigbügel verfing.

Bei diesen Verletzungen blieb dem Kriegschirurgen im Feld oft nur die Amputation entlang dieser Linie als therapeutische ultima ratio.

Noch heute sind die Gelenkreihe zwischen den Mittelfußknochen und der Fußwurzel (Tarsometatarsale Gelenklinie) und das Band zwischen dem medialen Keilbein (os cuneiforme mediale) und dem zweiten  Mittelfußknochen nach ihm benannt.

 

Lisfranc starb am 13. Mai 1847 und wurde auf dem Cimetière du Montparnasse begraben.

Sein Grabmal zeigt ihn auf einem der beiden Bronzereliefs als Lehrer vor seinen Studenten beim Unterricht über den Fuß.

 

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