Good bye Vancouver

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell so eine Hospitationswoche vergeht.

Von den Fußchirurgen war heute Dr. Kevin Wing im OP tätig. Dr. Alastair Younger machte Fußsprechstunde.Ich entschied mich zunächst mit Dr. Kevin Wing in den OP zu gehen. Auf dem Programm stand eine so genannte Bridle Operation. Hierbei wird Tibialis posterior Sehne ganz oder zum Teil auf den lateralen Fußrand versetzt. Dr. Wing versetzte etwa ein Drittel bis die Hälfte der Tibialis posterior Sehne auf das mittlere Keilbein. Aufgrund der Kontraktur der Varusfehlstellung des Fußes führte er zusätzlich eine Verlängerung der FDL-Sehne und FHL-Sehne durch.

Als weitere Operationsprogrammpunkte wurden von Dr. Wing nun noch eine Zehenamputation bei diabetischem Fußsyndrom sowie eine offene Primärnaht bei Achillessehnenruptur durchgeführt.

Daher entschied ich mich nach der ersten Operation aus dem OP in die Sprechstunde von Dr. Younger zu wechseln.

Für das kanadische Gesundheitssystem bezeichnend, stellte sich dort eine 23 jährige Patientin mit Schmerzen bei Morbus Köhler II am Metatarsale zwei des linken Fußes vor. Aufgrund ihrer Beschwerden war sehen vom zuweisen Arzt bereits mit einem Short Walker versorgt worden. Die acht Monate Wartezeit auf einen Termin bei einem Spezialisten wie Dr. Younger sah man dem Stiefel schon deutlich an.

Nach der entsprechenden klinischen und radiologischen Diagnostik bestätigte sich die Diagnose eines Morbus Köhler II und die Indikation zur Operation wurde von Dr. Younger gestellt.

Allerdings sei es ihm erst wieder in etwa einem Jahr möglich die Patienten im Rahmen der nationalen Gesundheitsfürsorge (also quasi als “Kassenpatienten”) zu operieren.

Die die Ursache liegt aber nicht in der von Dr. Younger geleiteten fußchirurgischen Abteilung des St. Pauls Hospitals sondern im Gesundheitssystem des Landes.

Wenn ich Dr. Younger richtig verstanden habe, werden in Kanada sowohl Termine bei Fachspezialisten als auch Operationstermine elektiver Art zahlenmäßig begrenzt.

Jedoch ist es kanadischen Operateuren seit kurzem erlaubt, solchen Patienten einen früheren Operationstermin als “Privatpatienten” anzubieten. Das liegt wohl insbesondere in Vancouver auch daran, dass sonst viele Patienten über die nahe Grenze in die USA gefahren waren, um sich die Operationsleistungen dort zu “kaufen”.

Die junge Patientin war es leid, ihr bis vor acht Monaten weit gehend aktives Leben aufgrund der langen Wartezeit auf einen OP Termin weiterhin passiv gestalten zu müssen. Daher entschied sie sich für die Möglichkeit der Operation als Privatpatientin.

Und natürlich gab es zum Abschluss der Hospitationswoche ein Erinnerungsfoto der drei “visiting fellows” aus Hongkong, Memmingen und Schweinfurt mit Dr. Alastair Younger.

 

Der Vormittag des folgenden Rückreisetages wurde dann von Dr. Schupp und mir noch für ein wenig sightseeing in und um Vancouver genutzt. Denn zumindest am Samstag präsentierte sich uns Vancouver ausnahmsweise mal nicht als “Raincouver”.

 

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