03-02-2011 Hochinteressanter OP-Tag

Der Donnerstag war bisher das absolute Highlight der Woche. Trotz weiterhin bestehenden, für Texas äußerst ungewöhnlich glatten Straßenverhältnissen. Doch Dr. Brian DeYoe hatte sie alle “überreden” können, zu erscheinen.

Der OP-Tag begann mit einer OATS-Plastik bei posttraumatischer (Pilontibialefraktur) Osteochondrosis dissecans am lateralen Talus.

Nach Gelenkeröffnung von vorne zeigten sich im ventralen Gelenkbereich Knochensporne über die gesamte Breite des Gelenks, die nach Kapseleröffnung erst einmal mit dem Meisel und Luer sorgfältig abgetragen werden mußten.

Nach Darstellung des Schadens, was ohne Osteotomie möglich war, wurde der Defektrand debridiert. Dann seine Größe mit dem Meßinstrumentarium festgelegt und schließlich zylindrisch ausgestanzt.

Inzwischen hatte ein vorrangig kniearthroskopisch tätiger Kollege vom medialen oberen Femurschild das Transplantat mit dem selben Durchmesser entnommen. Es wurde paßgenau am lateralen Talus eingesetzt. Spülung, schichtweiser Wundverschluß,Hautnaht,fertig.

Schon allein vom Gewinn an Beweglichkeit durch die Entfernung der Osteophyten wird der Patient meiner Meinung nach sehr profitieren.

Angesprochen auf die unterschiedlichen Knorpeldicken und Druckverhältnisse im Knie und Sprunggelenk berichtete Brian mir, dass er bisher nur gute Erfahrungen in seinem Patientengut mit dem OATS Verfahren habe. Für ihn gibt es bislang kein adäquates Verfahren, für das er diese Methode verlassen würde.

Es  folgte eine Triplearthrodese bei schwerem, arthrotischem Knickplattfuß mit Riß der Tibialis posterior Sehne. Zunächst entfernte Brian die restlichen Knorpelbeläge und brachte Bohrungen in die Arthrodeseflächen ein. Dies erfolgte von lateral im Bereich des Subtalargelenks und des Calcaneocuboid-Gelenks. Dann von dorsomedial am Talonaviculargelenk. Nach manuellem Auskorrigieren der Rückfußposition wurden dann zunächst das Subtalargelenk von dorsal mit einer, dann das Talonavicular- und Calcaneocuboidgelenk mit je zwei Schrauben fixiert.

Als “kleiner Zwischenpunkt” entfernte Brian dann bei einer Rheumatikerin nach Versteifung des Naviculocuneiformegelenks vor einem Jahr eine Platte. Diese Platte war erstaunlicherweise eine Platte der sonst bei amerikanischen Kollegen wenig bekannten Firma Normed. Instrumentarium und Platen hatte Brian DeYoe sich bei einem Aufenthalt in Deutschland mitgenommen. Für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich war das Auffüllen der Schraubenlöcher mit demineralisierter Knochenmatrix nach Entfernung des Materials.

Als Schlußpunkt führte Brian DeYoe noch die Entfernung einer Haglundexostose und eines dorsalen Fersensporns über einen mittigen, transtendinösen Zugang durch. Erst beim letzten Symposium der GFFC (Gesellschaft für Fußchirurgie) hatten er und Dr. Alexander Sikorski über diese “Middle-Split” Technik berichtet.

Ich habe diese Art Eingriff auch schon mehrfach durchgeführt. Neu für mich war allerdings die Refixationstechnik der Achillessehne, wie sie von Brian angewendet wird. Er verwendet lediglich einen zentral unter dem Zugang liegenden Anker mit vier Fäden. Sehr interessant. Das intraoperative Einspritzen von Wachstumsfaktoren als Abschluß vor Wundverschluß ist schon fast selbstverständlich und wird, wie Brian bereits in München berichtete, von den Versicherungen in den USA ohne Kommentar erstattet.

Zum Schluß dieses superinteressanten Op-Tages sei hier noch ein dickes Lob und Dankeschön an Brians Frau Donna erlaubt, die mich an den Abenden stets mit einheimischer Südstaatenkost verwöhnt hat.

Da sie selbst aus Louisiana kommt, kann wohl kaum jemand bessere “Cajun-Kitchen” bieten als sie. So kam ich unter anderem in den Genuß von Gumbo, Jambalaya und Chicken with Dumplings.

Brian hingegen stellte mir als Weinkenner seine Heimat Kalifornien in Form von manch hervorragendem Tropfen aus Sonoma und dem Napa Valley vor.

Herzlichen Dank dafür an meine hervorragenden Gastgeber. Diese Adresse ist weiteren Stipendiaten wärmstens zu empfehlen.

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