01-02-2011 Blitzeis in Dallas läßt nur Hallux und Morton zu

Als ich heute Morgen aus dem Fenster sah, traute ich meinen Augen kaum. Schnee und Eis in Texas!

Ok – Brian hatte mich gewarnt. Die Wettervorhersage auch.  Arktischer Kälteeinbruch aus Kanada über die Prärie bis nach Dallas.

Gestern Abend hatte es bereits merklich abgekühlt und etwas geregnet. Aber das war kein Vergleich zu dem, was sich heute Morgen darbot.

Ein beißend kalter Wind fegte durch die Straßen, der den Regen auf den Straßen über Nacht in eine einzige Eisplatte verwandelt hatte und nun das Straßennetz von Dallas überzog. Der leichte Schneefall, der nun noch das Blitzeis überzuckerte, war da noch das geringste Problem für die rund 1.3 Millionen Einwohner der texanischen Metropole.

So blieben die allermeisten Geschäfte, Restaurants, Schulen, Ämter und sogar der internationale Flughafen von Dallas/Fort Worth geschlossen. Sprechstunden in zahlreichen Praxen wurden abgesagt. Die großen Kliniken sagten ihre Elektiveingriffe ab und verlegten sich auf die reine Notfallversorgung.

Auch bei Brian DeYoe hagelte es ab 05:30 Uhr telefonische Absagen für den heutigen Op-Tag.

Nur zwei der geplanten fünf Operationen konnten schließlich durchgeführt werden, nachdem Brian und ich endlich im Schneckentempo, mehr rutschend als fahrend, das ambulante Operationszentrum mit dem Auto erreicht hatten. Die Schwestern konnten mit einer Notbesetzung gerade noch den Operationsbetrieb aufrecht erhalten.

Der erste Fall war eine 53-jährige Patientin mit Morton Neurom. Über einen dorsalen Zugang erfolgte die Entfernung des Neuroms in typischer Weise.

Der zweite Fall war da schon ein wenig aufwendiger in Planung und Durchführung. Ein 39-jähriger Patient mit Hallux valgus Rezidiv nach McBride Operation vor einigen Jahren durch einen anderen Kollegen. Zudem zeigte der Patient im präoperativen Röntgenbild eine deutliche Überlänge des zweiten Mittelfußknochens. Die bestehende Metatarsalgie unter dem zweiten Ballen war also nicht alleine einer Transfermetatarsalgie anzulasten. Die zweite Zehe zeigte zudem eine  Hammerzehenfehlstellung.

Dr. DeYoe führte zur Korrektur des ersten Intermetatarsalwinkels am ersten Strahl eine V-förmige Osteotomie mit einem langen dorsalen Schenkel durch. Neu war für mich hier nicht nur der dorsal liegende lange Schenkel der Osteotomie sondern auch die elipsenförmige Ausschneidung der Kapsel medial vor der plastischen Rekonstruktion.

Am zweiten Strahl führte Dr. DeYoe eine Verkürzungsosteotomie des Metatarsale durch, wobei er aber streng extraartikulär blieb und ein Einsägen im Knorpelbereich des zweiten Mittelfußköpfchens vermied. Die Arthrodese des Zwischengelenks der zweiten Zehe erfolgte dann wieder mit der mir bekannten Technik.

Beim Lunch hatte ich noch ausreichend Gelegenheit, mit Brian DeYoe über die gesehenen Fälle, seine präoperativen Überlegungen und operative Herangehensweise zu diskutieren. Die zwei durchführbaren, sehr interessanten Operationen des heutigen Tages machten mich nur noch neugieriger auf weitere Eingriffe, die hoffentlich in den nächsten Tagen nicht wieder zum Teil dem Wetterchaos zum Opfer fallen werden.

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